Allgemein,  Kommunikation

Eine riskante Hundebegegnung

Groß und Klein, kann das sein? Ja, es geht. Heute morgen trafen sich Bernersenne und Podenco-Mix. Ein Gewichtsunterschied von ca. 40 kg und es war kein Problem.

In der Nähe meines Hauses ist ein Bauernhof, der einen Bernhardiner und einen Bernersennen Hund hat. Heute durfte der Bernersennen Hund mit zu den Kühen und hat uns entdeckt. Bisher hatten wir ihn immer nur aus der Ferne gesehen und ich habe mir erstmal gedacht: „Oh nein, Casper mit dem kaputten Bein und dann der große Bär!“ Ich habe mir von beiden Hunden die Körperhaltung und Signale angesehen. Der Bruno kam locker flockig an galoppiert, so leichtfüßig es eben für einen Hund dieser Rasse geht. Die Rute in einer mittleren Höhe für diese Rasse, die Ohren neugierig nach vorne gestellt und der Rest des Körpers war aufrecht aber entspannt. Alles Anzeichen für Neugierde und kein Anzeichen für Aggression oder Dominanz.

Mein Casper hat andere Signale gezeigt. Er hat sich etwas klein gemacht, hat sich seitlich von Bruno weg bewegt, den Kopf gesenkt und die Ohren angelegt. Die Rute war deutlich tiefer als normal und er hat Blickkontakt vermieden. Das heißt, dass Casper etwas unsicher war und beschwichtigen wollte. Beide Hunde waren ohne Leine, also habe ich Casper auch nicht angeleint, denn dann hätte ich ihm jeden Vorteil genommen. So konnte er einfach ausweichen. Da Casper beschwichtigt hat, habe ich mich vor den Bruno gestellt, um ihn aufzuhalten. Er hat abgebremst und musste ausweichen, seine Körperhaltung hat sich nicht geändert, er war immer noch neugierig. Seitlich von mir mit ein paar Metern Abstand habe ich Casper beobachtet.

Bei ihm hat sich die Sprache geändert. Die Ohren waren jetzt aufgestellt, die Rute wieder in der normalen Stellung und er hat sich nicht mehr geduckt sondern eine Vorderkörper Tiefstellung gezeigt und gebellt. Das war eindeutig eine Spielaufforderung. Also bin ich Bruno aus dem Weg gegangen und die Beiden haben richtig toll gespielt. Bruno war schnell Müde und Casper hat ihn immer wieder aufgefordert, er wurde sogar fast etwas frech und hat Bruno richtig dreist angebellt, da hat Bruno einen Schritt auf ihn zu gemacht und die Situation war geklärt. Beide Hunde sind gut sozialisiert und können die Körpersprache des anderen richtig lesen, also war es keine gefährliche Situation, trotzdem Casper ein kaputtes Bein hat.

Wie man sieht ist die Körpergröße und das Gewicht nicht unbedingt ausschlaggebend, ob man Hunde gemeinsam spielen lassen kann oder nicht. Das Wesentliche ist, dass beide Hunde gut sozialisiert sind und die Körpersprache von anderen Rassen lesen können. Darum ist es wichtig, dass Hunde in der Prägephase möglichst viele verschiedene Hunderassen kennenlernen. Des weiteren ist es sehr wichtig, dass der große Hund seine Körpergröße und Kraft einschätzen kann. Denn würde er auf den kleinen Hund einfach drauf springen, wäre das Spiel zu Ende.

Aus solchen Situationen nimmt jeder Beteiligte etwas positives mit. Zum Einen war es für alle ein freundschaftlicher Sozialkontakt. Dann habe ich meine Beobachtungsfähigkeit und mein Wissen zur Kommunikation mit Hunden und unter Hunden testen können und bestätigt bekommen. Bruno hatte einfach Spaß am Spiel mit einem anderen Hund und hat uns besser kennen gelernt und Casper hat gelernt, dass große Hunde nicht zwangsläufig weh tun und vor allem hat er sehr viel Selbstbewusstsein gewonnen.

Hätte ich diese Situation nicht zugelassen oder hätte Bruno weiter abgeblockt, wäre die Situation für alle frustrierend gewesen. Keiner der Hunde hätte einen Sozialkontakt und Spielpartner gehabt und ich wäre genervt gewesen.