Jana Pietsch mit Hund Casper
Allgemein,  Anschaffung,  Tierschutz

Casper zieht ein

Wenn ein Hund einzieht ist es immer etwas besonderes. Bei einem Straßenhund aus Spanien, also einem Tierschutzhund muss man sich auf Überraschungen einstellen. Was kennt er und was nicht? Vor was hat er Angst? Wie reagiert er dann?

Mein Hund Casper

Wie kam ich auf Casper?

Ich habe Casper über den Tierschutzverein Madrigueras e.V. gefunden, der sich um spanische Straßenhunde kümmert. Ich habe sein Bild auf der Internetseite des Vereins entdeckt und fand ihn toll. Auf dem Bild saß er mit seiner stolzen weißen Brust, die Ohren entspannt und schaute in die Kamera. In der Beschreibung stand, dass er ca. 1 1/2 Jahre alt war und ein Podenco-Mix ist. Also habe ich dort angerufen und gesagt, dass ich Interesse habe. Mir wurden einige Fragen gestellt, wie ich lebe und wohne. Das ist ganz normal, da Tierschutzorganisationen sehr darauf bedacht sind, die Tiere nur in gute Hände abzugeben.

Das erste Treffen

Nachdem wir telefonisch einen Termin ausgemacht hatten, bin ich hin gefahren. Ich war etwas aufgeregt. Dort angekommen durfte ich in das Haus gehen. Da war er, mit vier weiteren Hunden. Er war etwas schüchtern. Wollte nicht gestreichelt werden aber alles abschnuppern und ist an mir hoch gesprungen. Ich habe mich mit der Pflegemama unterhalten. Sie hat erzählt, dass er ein gebrochenes Bein hatte und das Gelenk nicht in Ordnung ist. Das war auch deutlich zu sehen aber hat mich nicht gestört. Er war sanft und neugierig und mein Bauchgefühl hat mir gesagt, dass wir gut zusammen passen. Also bin ich noch ein Stück mit ihm spazieren gegangen und konnte feststellen, dass er noch gar nichts vom Grundgehorsam konnte. Kein Sitz, kein Platz und erst recht nicht wie man ordentlich an der Leine geht. Das kann man Hunden jedoch gut beibringen. Also habe ich eine Woche später nochmal einen Besuch abgestattet und dann ausgemacht, dass er die Woche danach auf Probe zu mir zieht.

Die Probezeit

Ich habe eine Transportbox für Casper besorgt, ein Halsband und Leine. Daheim habe ich schon einen Futter und einen Trinknapf gerichtet und Futter für ihn bereit gestellt. Als wir ihn abgeholt haben, bin ich vorher noch ein paar Minuten da gewesen, damit er sich nochmal an mich gewöhnt. Dann ging es ans Auto. Vor der Box hatte er schonmal keine Angst, die kannte er, weil er während dem Arbeiten der Pflegemama in der Box war. Er hat sich hingelegt und die Fahrt war super. Als wir bei uns ausgestiegen sind, bin ich erstmal eine Runde mit ihm spazieren gegangen, damit er sich entleeren und Stress abbauen kann. Im Haus hat er dann doch mal ein Pipi auf den Teppich gemacht, was aber nicht schlimm ist. An der Leine habe ich ihm die Zimmer gezeigt und dann auch die Box, die erstmal seinen Platz darstellt, weil er sie kannte. Ich bin an dem Tag alle zwei Stunden ein kleines Stück spazieren gegangen, damit er Bewegung hat, sich entleeren kann und wir uns besser kennen lernen konnten. Am Nächsten Tag hatte ich einen Termin in der Hundeschule ausgemacht, um mit einer Trainerin zu gucken, was die zu uns sagt. Mir wurde gesagt, dass ich ihn wahrscheinlich nie in den Freilauf schicken kann. Es ist ein absoluter Jagdhund und hat wenig Bezug zu Menschen, weil er bisher auf der Straße gelebt hatte. Das hat mir nichts ausgemacht. In der Woche auf Probe haben wir uns sehr gut aneinander gewöhnt. Und dann hab ich auch den Vertrag mit dem Tierschutzverein fertig gemacht. Ab da hatte ich offiziell einen Hund.

Anfangsschwierigkeiten

Damit wir zueinander finden sind wir einmal die Woche in die Hundeschule gegangen. Einfach um Übungen für den Beziehungsaufbau und den Grundgehorsam zu lernen. Wir haben fleißig geübt und waren in der Gruppenstunde die einzigen, die nicht vom Züchter kamen. Alles andere waren Welpen. Sie haben deutlich schneller gelernt und man hat gemerkt, dass die viel mutiger waren. Das hat uns aber nicht gestört. Wir haben unser Bestes gegeben. Wir haben zwei Wochen gebraucht bis das „Sitz“ geklappt hat und dann nochmal vier Wochen bis „Platz“ geklappt hat. Leinenführigkeit hat in einer Woche schon gesessen. Der Grundgehorsam ging langsamer als bei Welpen voran aber war nicht unser Problem.

Das große Unbekannte

Treppen laufen war der Horror für Casper. Eine Stufe war in Ordnung, aber dann fing er an zu zittern und wollte nicht weiter. Also haben wir jeden Tag mehrfach in kurzen Einheiten Treppen gehen gelernt. Nach 2 bis 3 Monaten war das nicht mehr schlimm aber auch nicht sein Freund. Staubsauger fand er komisch aber er war neugierig, das ging ganz schnell. Wenn die Töpfe anfingen zu klappern war er weg. Also hatten wir unsere Nächste Aufgabe gefunden. Nach kurzer Zeit war das in Ordnung. Das Schlimmste für mich war, dass er kaum gefressen hat. Nur wenn ich neben ihm saß. Manchmal nur aus meiner Hand. Draußen hat er gar kein Futter genommen. Also habe ich ihm täglich jedes einzelne Stück Futter ins Maul gelegt. Nach 2 Monaten fing er an aus dem Napf zu fressen aber nu wenn ich neben dran gesessen habe. Trinken auch nur wenn ich neben dran war. Es hat 7 Monate gedauert bis er fast jeden Tag seine Tagesration gefressen hat. Nach ca. einem Jahr war das Fressen aus dem Napf kein Problem mehr. Draußen hat er erst nach 1 1/2 Jahren Futter genommen. Inzwischen ist er total verfressen und nimmt alles was er auftreiben kann. Autos mochte er so gar nicht, Bälle kannte er nicht, sämtliche Geräusche ließen ihn erschrecken. Jedes einzelne haben wir Stück für Stück geübt und uns dran gewöhnt. Inzwischen geht er überall mit mir hin. Er ist nicht bei allem entspannt aber es wird immer besser.

Spielverhalten

Casper hat sich am Anfang für kein Spiel interessiert. Keine Bälle, kein Quietschi, keine Reizangel, gar nichts. Nur für Hase, Reh und Co. im Wald. Ich konnte mich zum Clown machen und es war ihm egal. Er war so mit sich selbst und der Umwelt beschäftigt, dass Spielen einfach zu viel war. Klar, er hat schon auf der Straße gelebt, da war es das Leben auf das er sich konzentrieren musste. In der Natur ist es so, dass das Spiel auf das Leben vorbereitet. Das heißt diese Phase hatte er schon hinter sich. Haushunde spielen, um sich zu beschäftigen. Damit ihnen nicht langweilig ist. Hunde die auf der Straße leben und niemanden haben, der ihnen Futter bringt oder ähnliches die haben ihre Aufgabe in der Nahrungsbeschaffung. Er musste also erstmal lernen und begreifen, dass er sich kein Futter mehr selbst besorgen muss, sondern ich das für ihn übernehme. Bei vielen Straßenhunden ist dieses Verhalten so. Nach ca. einem Jahr hatte ich eine so gute Beziehung zu Casper aufgebaut, dass ich die leine einfach auf den Boden legen konnte und er nicht weg lief. Nach 1 1/2 Jahren konnte ich ihm soweit vertrauen und er mir, dass ich ihn von der Leine machen konnte. Das war auch in etwa die Zeit in der er vermehrt anfing zu spielen. Mit Spielzeug nicht so gerne. Er ist immer noch hauptsächlich für das Sozialspiel zu begeistern, wobei er auch ab und zu mit Spielzeug spielt. Am Liebsten jedoch mit seinen Hundefreunden.

Fazit

Ein Hund aus dem Tierschutz braucht sehr viel Zeit um sich einzugewöhnen. Das ist sicher auch hin und wieder eine Geduldsprobe für den Mensch aber sie zahlt sich aus. Mit Hunden aus dem Tierschutz muss man besonders körpersprachlich arbeiten und dabei feinfühlig sein. Grundsätzlich sollte man dies mit allen Hunden sein. Nach 2 Jahren hatte ich das erste mal das Gefühl, dass Casper wirklich zu 100% angekommen ist und verstanden hat, dass ich immer für ihn da sein werde. Um ein bischen Grundvertrauen aufzubauen hat es ca. ein Jahr gedauert.